Vollarchitektur beauftragt: Mängelhaftung beginnt mit Ablauf der Gewährleistungsfristen der Werkunternehmer

Die Übernahme der Leistungsphase 9 (Objektbetreuung und Dokumentation), zum Beispiel nach § 33 i.V.m. Anlage 11 HOAI, ist für Planer schon mit Blick auf die geringe Vergütung nach den Honorartafeln wenig attraktiv. Eine aktuelle Entscheidung des OLG Celle macht darüber hinaus auf ein weiteres Problem aufmerksam – die Verjährung von Mängelhaftungsansprüchen gegenüber dem Architekten.

Im entschiedenen Fall verlangte ein Auftraggeber vom Architekten Schadenersatz für Planungs- und Aufsichtsfehler aus einem Architektenvertrag über die Leistungsphasen 1 bis 9. Die Abnahme der Leistungen der Werkunternehmer erfolgte im Juli 1994. Im Dezember 2003 leitete der Auftraggeber ein selbstständiges Beweisverfahren über Mängel an diversen Bauteilen ein und hemmte somit die Verjährung. Im Februar 2009 endete das selbstständige Beweisverfahren. Im November 2009 reichte der Auftraggeber Klage gegen den Architekten ein. Dieser berief sich auf Verjährung, was das OLG Celle allerdings zurückwies.

Die Verjährung der Ansprüche aus dem Architektenvertrag begann nach der Entscheidung des Gerichts erst mit Vollendung aller Leistungen des Architekten aus der beauftragten Leistungsphase 9 zu laufen. Erst mit Ablauf der fünfjährigen Gewährleistungsfrist für die Bauleistungen der Werkunternehmen im Juli 1999 kam daher die Mängelhaftungsfrist des Architekten in Gang, die entsprechend auch erst im Juli 2004 endete. Die Einleitung des selbstständigen Beweisverfahrens im Dezember 2003 hemmte den Eintritt der Verjährung demnach rechtzeitig.

Dem Problem der zeitlich doch recht ausufernden Haftung des Architekten kann man begegnen, indem man Teilabnahmen (insbesondere nach der Leistungsphase 8) durchführt. Solche müssen allerdings im Architektenvertrag explizit vereinbart werden, da dem Architekten grundsätzlich kein Anspruch auf Teilabnahmen zusteht. (SB)